Tiefe Bindungen überwinden alle Hürden
Liebe Leserinnen und Leser, jede und jeder von uns hat wohl schon Höhen und Tiefen im Leben erlebt oder auch schon einen Schicksalsschlag. Was aber ist es, das uns den Mut und die Kraft gibt, weiterzumachen oder neu anzufangen?
Die Kirche hat vergangenen Mittwoch einer Heiligen gedacht, die Höhen und Tiefen mit Jesus erlebt und durchlebt hat: Maria Magdalena. Sie war von ihm geheilt worden (die Bibel schreibt, Jesus habe sie sieben Dämonen befreit), sie war mit ihm von Galiläa hochgezogen nach Jerusalem. Sie war es, die mit anderen Frauen und mit Johannes, unter dem Kreuz gestanden hat und sie hat sein Leiden und Sterben mit ausgehalten; sie war es, die bei der Grablegung dabei gewesen ist und nicht zuletzt sie war es, der der Auferstandene zuerst erschienen ist. Sie muss schon eine sehr enge Beziehung zu ihrem Meister gehabt haben, dass sie all das durchstehen konnte, ohne zu verzweifeln und dass ihr eine so große Ehre zuteilwurde, als sie am Ostermorgen am leeren Grab stand. Denn im Johannes-Evangelium heißt es: „Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater…“ Doch als sie zu den Aposteln kam, glaubten sie ihr zunächst nicht. Sie war dem Auferstandenen als erste begegnet und hatte den Auftrag erhalten, diese Frohe Botschaft an die Apostel weiterzugeben. Wie gerne hätte sie aber diese Situation festgehalten; wie gerne hätte sie Jesus festgehalten. Doch er schickte sie los, dieses große Ereignis der Auferstehung weiterzusagen. Sie sollte nicht stehen bleiben in der so schönen Begegnung mit ihm, dem sie sich so sehr verbunden fühlte. Durch diesen großen Auftrag, den sie von Jesus erhalten hatte, wird sie auch „Apostolin der Apostel“ genannt; sie die Frau, die oft mit der „Sünderin“ gleichgesetzt wurde, die bei dem Gastmahl des Pharisäers Simon Jesus so viel an Nähe und Liebe erwiesen hat, indem sie ihm mit kostbarem Öl die Füße gesalbt hat (Lk 7,36-50). - Alles nur eine sehr alte, fromme Geschichte? Nein, keineswegs! Denn der Auftrag, den Maria Magdalena empfangen hat, die Frohe Botschaft der Auferstehung weiterzusagen, gilt uns allen. Wir alle sind aufgerufen, diese unsere Glaubensüberzeugung im Alltag zu leben und davon zu reden. Doch wie könnte das ganz konkret aussehen? Die nächsten Tage und Wochen? Ich denke, jede und jeder von uns hat Möglichkeiten, dies zu tun: im Kleinen und in unscheinbar wirkenden Situationen oder vielleicht sogar im Großen; ob im haupt- oder ehrenamtlichen Tun oder als „ganz normaler Christ oder Christin“: „Geh aber zu meinen Brüdern“ und sage diese Frohe Botschaft weiter!
Und dieser großen Heiligen erinnern wir uns, wenn wir am Sonntag, 26.07. um 10.30 das Patrozinium in Münnerstadt begehen.
P. Rudolf Götz OSA
Kath. Seelsorger in Münnerstadt

