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Wort zum Sonntag 25.01.2026

Jens Hausdörfer, Geistlicher Begleiter Haus Volkersberg

Der heilige Sebastian – Märtyrer, Heiliger und Schutzpatron der Homosexuellen

Unter den Heiligen gibt es – zumindest für klassisch katholisch geprägte Menschen – meist einige, zu denen man eine besondere Beziehung entwickelt. Für mich gehört der heilige Sebastian dazu, dessen Gedenktag wir vor kurzem begangen haben. Er ist der Ortspatron meines Heimatdorfes. In der Pfarrkirche steht seine Statue: der Legende nach von Pfeilen durchbohrt. Doch er wird nicht leidend dargestellt, sondern aufrecht und beinahe gelassen. Ein junger Mann von großer Anmut und Schönheit. Dieses Bild hat sich mir früh eingeprägt.

Der Überlieferung zufolge war Sebastian ein römischer Offizier, ein Karrieremensch seiner Zeit, der sich offen zum christlichen Glauben bekannte. Genau das wurde ihm zum Verhängnis. Er wurde verfolgt, verurteilt und schließlich zum Märtyrer. Im Lauf der Geschichte wandelte sich seine Bedeutung mehrfach: Im Mittelalter verehrte man ihn als Pestheiligen, später übernahm er das Patronat über Wald- und Forstleute. Bis heute ist er vor allem als Schutzheiliger der Schützen und Schützenvereine bekannt.

In unserer Zeit tritt eine weitere, eher leise und fast subversive Facette hinzu: Sebastian gilt vielen als Schutzheiliger der queeren Bewegung. Nicht offiziell und nicht kirchenamtlich, sondern eher „unter der Hand“ identifizieren sich queere Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche mit dieser Gestalt.

Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Vielleicht, weil Sebastian wegen seines Andersseins als Christ verfolgt wurde. Vielleicht auch, weil er in der Kunst oft als jugendlicher, schöner Mann dargestellt wird: verletzlich und zugleich stark. Diese Bilder haben Generationen berührt, besonders Menschen, die sich selbst als anders erlebt haben – von Oscar Wilde über Thomas Mann bis zu LGBTQ+-Aktivist*innen der Gegenwart.

Ich selbst bin nicht queer. Diskriminierungserfahrungen, denen queere Menschen bis heute ausgesetzt sind, kenne ich nicht aus eigener Erfahrung. Und doch empfinde ich große Sympathie für ihre Anliegen. Denn das, was queere Menschen sich wünschen – gesehen zu werden, angenommen zu sein und in Würde leben zu können –, entspricht zutiefst der Haltung Jesu. Jesus hat niemanden ausgeschlossen. Alle sind willkommen. Alle besitzen Würde.

Dass Sebastian heute neu interpretiert wird, sehe ich als ein Wirken des Heiligen Geistes. Auch wenn sich offizielle kirchliche Stimmen oft schwertun, Menschen vorbehaltlos anzunehmen, finden Gläubige ihre eigenen religiösen Ausdrucksformen. Sie entdecken im Glauben Verbündete und Hoffnungsträger. Für diese queere Wiederentdeckung dürfen wir dankbar sein, weil sie uns an verschüttete Traditionen unserer eigenen Geschichte erinnert.

Was der historische Sebastian zu diesem Bedeutungswandel gesagt hätte, wissen wir nicht. Wir wissen nicht einmal, welche sexuelle Orientierung er hatte – und letztlich ist das auch unerheblich. Wenn er jedoch ein überzeugter Christ in der Nachfolge Jesu war, dann bin ich sicher: Er würde sich freuen, dass in seinem Namen Menschen für die unverwechselbare Würde jedes Einzelnen eintreten – und für die befreiende Botschaft Jesu: Du bist geliebt. Genau so, wie du bist.