Dietrich Bonhoeffers Theologie bleibt relevant
Am 06. Februar wurde an vielen Orten in Deutschland mit Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen an den 120. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer erinnert. Geboren wurde der Pfarrer, Dr. und Professor der Theologie und Widerstandskämpfer am 06. Februar 1906 in Breslau.
Innerhalb der Evangelischen Kirche gehörte er zu den ganz wenigen, die 1933 genau begriffen haben, was sich in Deutschland anbahnte. Zwei Tage nach Hitlers Machtergreifung sprach er in einem Rundfunkvortrag, dass ein „Führer“ sehr schnell zu einem “Verführer“ werden könne. Wenige Wochen später rief er seine Kirche auf, darüber nachzudenken und zu entscheiden, ob im Hinblick auf den Ausschluss jener Pfarrer, die jüdischer Herkunft waren, es nicht an der Zeit wäre zum aktiven Widerstand gegen diese Anweisung des damaligen Unrechtsstaates. Er war der Meinung, dass es auch für die Kirche Situationen gäbe, in denen es darum geht: „Nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“ Den meisten Menschen innerhalb seiner Kirche waren solche Gedanken fremd.
Heute kennen viele Dietrich Bonhoeffer aufgrund eines Gedichts, das später zum Lied wurde: „Von guten Mächten wunderbar geborgen. erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag…“ Geschrieben hat er diese Zeilen in Gefangenschaft.
1940 schloss er sich, für ihn nach langem Nachdenken, theologisch konsequent, der Widerstandsgruppe um Admiral Canaris an. Als Christ in den politischen Widerstand zu treten, das war damals mehr als ungewöhnlich. Glaube war für die meisten vor allem etwas fürs Private. Bonhoeffer sah das anders. Für ihn musste sich der Glaube gerade mitten in der Welt bewähren. Ihm war klar, dass wer Menschen jüdischen Glaubens verfolgt, sich niemals auf Jesus berufen könne. Schließlich wurde er am 05. April 1943 in Berlin verhaftet und am 09. April 1945 im KZ Flossenbürg in der Oberpfalz von den Nazis ermordet. Zwei Wochen vor der Befreiung durch die Amerikaner. Er, der zu Lebzeiten kaum einer breiteren Öffentlichkeit bekannt war, gehört heute zu den bekanntesten und meistgelesenen Theologen.
Seine in Stein gehauene Statue steht, zusammen mit neun anderen Märtyrern des 20. Jahrhunderts, über dem Portal von Westminster Abbey in London. Sie erinnert daran: Bonhoeffer hat seinen Glauben existentiell verstanden und gelebt. In seiner Theologie war er stets selbst ein Lernender. Bonhoeffer zu gedenken, das bedeutet auch den eigenen Glauben, das eigene Leben, Kirche und Welt kritisch zu betrachten. Und es sollte uns Mahnung bleiben, uns nicht wegzuducken, sondern die Stimme zu erheben, gegen alle menschenverachtenden Radikalismen und einzustehen für ein friedliches Miteinander aller Menschen auf diesem Planeten.
Jacqueline Barraud-Volk ist geschäftsführende Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kissingen und Rundfunkpredigerin im Bayerischen Rundfunk

