Gott zur Ehr‘ …
„Alarm, Alarm. Opa, es brennt. Du nimmst den Hubschrauber, ich komme mit dem Einsatzfahrzeug zur Brandstelle.“ Und dann ertönen im Kinderzimmer ein hohes und ein tiefes Martinshorn. In ohrenbetäubender Lautstärke, wie man sich denken kann.
Ehrlich gesagt, geht nichts über das intensive Spiel mit den Enkeln. Fachleute, von denen ich noch etwas lernen kann: Tanklöschfahrzeuge und Schlauchwagen, Drehleiterfahrzeuge und Mannschaftswagen usw.
Dann wollte ich auch mal punkten und lud die drei- und fünfjährigen Jungens ins Feuerwehrmuseum nach Fulda ein. Große Begeisterung und ausgeprägte Neugierde. Aber angesichts der Oldtimer die knappe Feststellung, dass eine Feuerwehr (jetzt mal in meinen Worten formuliert) nichts Museales sei, sondern in unserem Alltag hier und heute funktionieren müsse. Richtig.
Und damit, so kam es mir in den Sinn, lässt sich leicht der Bogen zur Kirche schlagen. Manche meinen eben auch, die Kirche sei von gestern und nur von historischem Interesse, andere aber erleben in ihr Kraft und begegnen starkem Glauben. Hier und heute.
Einmal auf diesen Vergleich gebracht, springen noch weitere Parallelen ins Auge.
Zum Vereinsleben gehören zum einen fröhliche, ausgelassene Feste (wie der Feuerwehr-Action-Tag in Bad Brückenau an diesem Wochenende), ähnlich wie sie auch in Gottesdiensten (Taufe und Hochzeit, Ostern und Erntedank) und bei Gemeindefeiern zu finden sind.
Zum anderen stehen, was ungleich wichtiger und entscheidender ist, gefährliche Feuerwehreinsätze – Großbrände oder Autounfälle – an, die gemeistert werden wollen.
Da bedarf es dringend: Zuverlässigkeit und Kameradschaft. Religiös gesprochen: einer Gemeinschaft der Heiligen. Die beseelt ist von einer Sache und sich ihr hingibt.
Da bedarf es dringend: ein weites Herz, großen Mut. Als biblischer Zuspruch formuliert: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.
Wir Christen sind sicherlich untereinander verbunden, vor allem aber verbunden mit Gott … mit dem Vertrauen darauf, dass ich nie tiefer fallen kann als in Gottes Hand, in Gottes Sprungtuch. Gott fängt mich auf.
Und dann will so ein Brand natürlich gelöscht sein. Klassischerweise mit Wasser. „Wasser marsch!“ Wasser rettet Leben. Vielleicht ein gewagter Brückenschlag, aber er drängt sich in diesem Zusammenhang nunmal auf: Wasser rettet Leben – auch die Taufe verkündet vom Leben. Ein Sakrament, das uns mit Jesus Christus, dem Heiland und Erlöser, verbindet. Gottes Segen und Liebe wird darin spürbar. Seine Zusage gilt bedingungslos ein Leben lang.
Bei uns hingegen gibt es vermutlich Lebensphasen, in denen wir gar nicht an Gott denken, er weit weg erscheint – und die Feuerwehr spukt einem natürlich ebenfalls nicht ständig im Kopf herum. Sie ist aber immer erreichbar. Im Jargon der Enkel gereimt: „1-1-2/ Kommt schnell herbei!“
Und für Gott gilt sowieso, dass er immer erreichbar ist. Die Leitung zu ihm ist frei – er nimmt sozusagen immer ab, ist offen für unsere Gebete, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
(Aber bitte, Gott soll jetzt nicht simpel mit der Feuerwehr gleichgesetzt werden, und deren kecker Selbstdarstellung „Im alten Rom nannte man sie Götter“ soll auch nicht das Wort geredet werden.)
Was noch wichtig erscheint auf dem Lebensweg: Gerade für schwierige Momente bedarf es einer geistlichen Wegzehrung, einer eisernen Ration.
Das können z.B. Verse aus Psalm 23 sein: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Verse, die einem dann, wenn es ans „Eingemachte“ geht, präsent werden und vielleicht über die Lippen kommen.
Allerdings ist die Metapher „Hirte“ – als Vergleich dafür, wie Gott ist – im Sprachraum vieler Menschen nicht mehr ohne Weiteres verständlich, muss eventuell neu gefasst werden. Ob sich ein „Feuerwehrhelm“ zur Beschreibung Gottes eignet?
Der Herr ist mein Helm,
unter ihm wird mich nichts in Furcht versetzen.
Er ist mir ganz nah,
umschließt Nacken und Kopf,
sitzt schützend auf meinem Haupt.
Und ob ich schon wandelte in großer Gefahr
Fürchte ich kein Unglück
Denn du bist bei mir
Und ich werde bleiben
Unter deinem, unter Gottes Helm immerdar.
Amen.
Dirk Hönerlage, Prädikant im Oberen Sinngrund

