„Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn sind alle lebendig!“
Ich bin zum Beerdigungsgespräch gekommen. Ich sehe in leere und hoffnungslose Augen. „Von denen kommt keiner wieder.“ Nach fast 50 Jahren Ehe ist seine Frau gestorben. Ich habe versucht, dem Witwer Trost zu spenden, indem ich ganz vorsichtig sage, dass es da ganz bestimmt etwas gibt, jenseits der Todesgrenze.
Die Auferstehung der Toten – wer’s glaubt, wird selig. Ja, wenn wir das glauben, dann werden wir selig!
Unsere Mitmenschen betrachten uns schon als religiös, wenn wir glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. „Ja, okay, das kann ich als geschichtliche Tatsache akzeptieren.“ (Ist ja auch weit weg.) Aber gilt das auch für meine Lieben oder für uns selbst? Rechnen wir wirklich mit unserer eigenen Auferstehung?
So wie wir Angst vor unserem Tod haben und ihn verdrängen, verdrängen wir auch die Hoffnung auf unsere Auferstehung.
Zu Jesus sind einmal solche Skeptiker oder eben „Realisten“ gekommen, die gesagt haben: „Es gibt keine Auferstehung von den Toten!“ Verständlich: Das liegt völlig außerhalb unserer Erfahrungswelt. Wann hat einer von uns so etwas schon einmal erlebt: eine wirkliche, buchstäbliche Auferstehung von den Toten?
Jesus hält diesen Leuten ein Wort Gottes vor. Merkwürdigerweise hat dieser Satz Gottes zunächst gar nichts mit der Totenauferstehung zu tun – zumindest auf den ersten Blick. Es ist der Satz, mit dem sich Gott vorstellt, gewissermaßen einer seiner Namen: „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham, Isaaks und Jakobs.“
Jesus hätte im Alten Testament eigentlich auch einige Stellen finden können, die tatsächlich von einer Totenauferstehung am Ende aller Zeiten berichten.
Aber er nimmt die höchste Autorität in Anspruch, um die Auferstehung aus der Bibel zu begründen: Gott selbst. „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham, Isaaks und Jakobs.“ Gott sagt nicht: „Ich war der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, weil diese inzwischen tot sind. Gott spricht von sich und seiner Beziehung zu diesen Männern in der Gegenwart: „Ich bin …“
Und in diesem „Ich bin …“ steckt der eigentliche Gottesname. Viele nennen ihn „Jehova“, aber eigentlich lautet er „Jahwe“. Im Deutschen ist dieser Name nur sehr schwer wiederzugeben. „Ich bin, der ich bin“, „Ich bin da“ oder „Ich bin – ich war – ich werde sein“ sind Versuche, ihn zu übersetzen. Aber immer ist eine Form von „Sein“ im Spiel: Gott ist das Sein – das Leben und die Lebendigkeit selbst.
Jemand, der das Sein, das Leben selbst ist, ist der Schöpfer, der über allem steht. Denn in jeder Form des Seins bin ich mit Gott in Beziehung: Ob ich noch nicht geboren bin, ob ich lebe oder ob ich tot bin – Gott ist immer bei mir und hat seine Hände im Spiel. Er ist das Sein selbst.
Die Auferstehung der Toten – für Gott ein Klacks! Für ihn ist es eine Kleinigkeit, den Kreislauf der Natur zu durchbrechen und uns das ewige Leben zu schenken – wie man sich das auch immer vorstellen mag.
„Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn sind alle lebendig!“
Gebet:
Herr, unser Gott, wir danken dir, dass wir deine Geschöpfe sind.
Wir danken dir, dass wir zu dir gehören, in welchem Zustand wir auch sein mögen.
Von dir sind wir in Raum und Zeit umfangen. Nichts kann uns von deiner Liebe trennen – nicht einmal der Tod.
Dir sei Ehre, Anbetung und Herrlichkeit.
Amen.
Wolf-Benjamin Gittermann. evang. Pfarrer Wildflecken

