Von der Würz- und Leuchtkraft der Christen
Die Freunde der Fastnacht nennen diese Tage bis Aschermittwoch die fünfte Jahreszeit. Wir sagen gerne, der Humor sei das Salz unseres Lebens. Ohne Salz schmecken Speisen nicht, ein Quentchen zuviel macht sie ungenießbar.
Fad und ungenießbar sollten Christen zu keiner Zeit sein. Jesus schreibt uns das im Evangelium des kommenden Sonntags buchstäblich ins Stammbuch, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Mt 5,13-16).
Angesichts des Zustandes von Kirche und Welt frage ich mich jedoch manchmal: Wo haben wir Christen unsere Würzkraft und unsere Leuchtkraft nur versteckt? Könnte es sein, dass wir selbst zu wenig Vertrauen in die Sprengkraft unseres Glaubens haben, die Welt genießbar und hell machen zu können? Könnte es sein, dass wir zu sehr um uns selbst kreisen und dabei unsere Aufgabe aus dem Blick verlieren, in die Welt hineinzuwirken? Könnte es sein, dass wir die Möglichkeiten unseres Christseins unterschätzen; dass wir gar nicht wissen, wie wichtig unser Angebot gerade heute ist?
Salz und Licht. Zwei Dinge, die selten im Mittelpunkt stehen. Und doch merkt man sofort, wenn sie fehlen. Genau solche Bilder verwendet Jesus. Keine komplizierten Gleichnisse. Keine religiösen Fachbegriffe. Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Fertig.
Auffällig ist, wie Jesus das sagt. Indem er sagt: „Ihr seid es!“, sagt er also: „Ihr seid lebensnotwendig, ihr seid kostbar.“ Eine aufbauende Zusage. Aber auch eine Verantwortung.
Vielleicht würde Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern heute noch zurufen: „Verliert nicht eure würzende Kraft!“ Salz, das nicht mehr würzt, taugt zu nichts. Licht, das unsichtbar gemacht wird, verliert seinen Sinn. Christen, die nicht als Christen zu erkennen sind, auf die kann die Welt verzichten. Christen sollen sich unterscheiden. Christen dürfen, ja sollen in vielen Dingen anders denken, anders reden und anders handeln. Man soll uns schmecken können unter allen Leuten!
Eine kleine Prise Salz genügt schon - welch' befreiende Botschaft! Gerade für Menschen, die denken: „Was ich tue, ist doch nichts Besonderes.“
Ein kleines Licht genügt schon - zu viel würde blenden: ein kleiner Hoffnungsschimmer für andere durch meinen Besuch. Ein aufmerksames Zuhören. Ein Wort zur richtigen Zeit. Ein Dabeibleiben, wenn andere sich abwenden. Ein klares Nein, wo es bequemer wäre zu schweigen.
Ja, manchmal ist es unbequem, Salz und Licht zu sein. Man bekommt auch Gegenwind und man braucht oft Mut. Standfestigkeit und sogar Frustrationstoleranz sind nötig, um christliche Positionen zu vertreten. Doch umso tröstlicher ist es, dass manchmal schon eine Prise Salz oder ein kleiner Schimmer Licht reicht, um etwas zu verändern.
Vielleicht liegt hier der Kern dieses Evangeliums: Es geht nicht darum, heller zu scheinen als andere. Es geht aber auch nicht darum, das Licht unter den Scheffel zu stellen und nur für sich selbst zu behalten. Nicht den Geschmack zu verlieren, um niemanden zu stören. Nicht das Licht zu dämpfen aus Angst, anzuecken. Salz soll würzen, Licht soll leuchten. Nicht grell. Nicht überheblich. Aber klar.
„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“ Spüren wir die Verantwortung, die uns damit übertragen ist?
Gott traut uns einiges zu! Dass ich wirke – mitten im Alltag. Unaufgeregt. Echt. Und spürbar. Nicht perfekt. Aber wirksam.
Christoph Glaser, Diakon im pastoralen Raum Bad Kissingen

