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Kurort Bad Kissingen

Wort zum Sonntag, 06.09.2020

von Pfr. Niels Hönerlage

Der Radiergummi Gottes

Das neue Schuljahr beginnt in der kommenden Woche. Die Vorbereitungen dafür waren in diesem Jahr besonders herausfordernd: Hygiene- und Schutzmaßnahmen vorbereiten, Diskussionen über das Pro und Contra von Masken im Unterricht, die Frage wie erneute Schulschließungen verhindert werden können. Da rauchten etliche Köpfe schon in den Sommerferien.

Da tut es gut, wenn manches gleich bleiben darf. Corona hin oder her, auch dieses Jahr werden die meisten Erstklässler ihr Schulleben mit einer liebevoll vorbereiteten Schultüte beginnen. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene. Die war randvoll mit Süßigkeiten und kleinen Spielsachen, die mir meinen Schulstart auf jeden Fall verschönert haben. Aber auch über die nützlichen Dinge in meiner Schultüte habe ich mich gefreut: über den Spitzer, die Buntstifte, die drei Bleistifte und den Radiergummi in Form eines Dinosauriers.

Rückblickend war dieser Radiergummi wohl das sinnvollste Geschenk in meiner Schultüte. Kaum einen Gegenstand habe ich in den ersten Wochen meiner Schulzeit häufiger in die Hand genommen als diesen kleinen Dinosaurier. Jeder falsche Strich bei meinen ersten Schreibversuchen, jede falsche Zahl, jeder noch so kleine Fehler wurde wegradiert und dann ausgebessert. Der Radiergummi tat gute Dienste und wurde dabei immer kleiner und kleiner, bis er irgendwann nicht mehr da war.

Später hat mir meine große Schwester einen neuen, einen riesigen Radiergummi geschenkt. „For real big mistakes“ stand darauf, also „Für besonders große, für besonders schlimme Fehler“.

Das ist ja irgendwie die Aufgabe eines Radiergummis: Fehler ausradieren, damit wir es nochmal und hoffentlich besser machen können. Dabei ist es egal, ob es kleine Fehler sind, wie bei mir in der ersten Klasse oder ob es besonders große Fehler sind. Der Radiergummi beurteilt unsere Fehler nicht, er richtet uns nicht. Mit dem Radiergummi darf ich es noch einmal versuchen. Dafür gibt er – wenn man so will – Stück für Stück sein Leben auf, damit unsere Fehler nicht bestehen bleiben.

Im Johannesevangelium heißt es:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“ (Johannes 3,16f.)

Jesus gibt sein Leben, damit unsere Fehler nicht bestehen bleiben. Sie werden ausradiert. Die großen und die kleinen Fehler stehen nicht mehr zwischen uns und Gott, sie trennen uns nicht von seiner Liebe. Gott sendet seinen Sohn in die Welt, er setzt den Radiergummi an, um die Welt zu retten. Die Sünde, die zwischen Gott und seinen geliebten Menschen steht, radiert er aus.

So ein Radiergummi schützt uns leider nicht davor, immer wieder neu Fehler zu machen. Wir sind Menschen und Menschen machen Fehler. Manche Fehler sind sicherlich so, dass wir eine zweite Chance dringend brauchen können, vor allem im Miteinander mit anderen Menschen.

Vor Gott ist diese zweite Chance nicht mehr nötig. Jesus hat sein Leben gegeben, damit unsere Fehler vor Gott nicht bestehen bleiben, damit sie uns nicht von ihm trennen, ein für alle Mal. Amen


Niels Hönerlage, Pfarrer

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