Wo ist denn Gott?
Nach dem Sonntagsgottesdienst ist der Pfarrer sehr ernst geworden und hat zu seiner Gemeinde gesagt: Liebe Gemeinde, ich muss euch noch etwas ganz schlimmes mitteilen: Gott ist aus dieser Kirche abhanden gekommen! - Aber die gute Botschaft ist: wir werden ihn draußen finden!
Die Gemeinde atmete erleichtert auf und ging ihres Weges.
Mit dieser Geschichte stellt sich mir unweigerlich die Frage nach dem Wo Gottes. Viel mehr als die ewig philosophische Frage nach dem Wer Gottes, mit dem sich auch die Lehre der Kirche seit allen Zeiten beschäftigt und auch vorgefertigte Antworten zur Verfügung stellt, ist die Wo Frage Gottes in unserer Zeit meines Erachtens die entscheidende.
Gott in der realen Welt, in den verschiedensten Lebensbereichen zu erfahren, darum ging es den Menschen aller Zeiten, auch wenn sie immer wieder Häuser für ihren Gott, Kirchen gebaut haben.
Aus welchen Gründen sie dies auch immer taten – um Gott begreifbar zu machen, um ihn zu domestizierten, um ihn zu verherrlichen, um ihn anzubeten, – so blieb und bleibt er doch immer Gott, der sich dem Zugriff des Menschen entzieht.
Dieser Gott ist für den gläubigen Menschen vor allem in den Kirchen zu finden, bei manchen Katholiken besonders im Tabernakel, aber ist Gott nicht auch überall sonst auf der Welt zu entdecken? Und so können wir vielleicht sogar sagen: „Wem Gott nicht fehlt, der hat ihn schon! Ich kann Gott überall begegnen ihn überall finden: in der Natur, in der Hitze des Sommers, im Regen und im Sturm, in der Stille und Meditation und vor allem in jedem Menschen, egal welcher Hautfarbe, Nation oder Religion. Nach christlichem Glauben ist er ja wirklich Mensch geworden!
Und doch will sich der Mensch immer wieder festmachen an Orten, wo er Gott in besonderer Weise erfahren kann. In der Urlaubszeit besuchen manche wieder die großen Dome und Kathedralen und auch die Kirchen in den kleinen Dörfern sind interessant. Können wir doch an ihnen ablesen und in ihnen erfahren, wie die Menschen damals für sich Gottesräume erschlossen haben und wie sie sie heute pflegen und nutzen.
Und überall dort, wo die Frage nach Gott, nach seinem Ort und seine Wirklichkeit im Mittelpunkt steht, bauen wir mit an neuen Gottesräumen, geben ihm einen Platz in unserem Leben, begegnen ihm und einander. Dazu sind Gotteshäuser gebaut, dass sich Menschen und Gemeinden darin zu ihrem Gott verorten kann.
In der Lesung zum Weihetag der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom (5. Aug.) aus der Offenbarung des Johannes steht: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er wird bei Ihnen sein.
Dies ist die biblisch, theologische Aussage auf die Geschichte des abhanden gekommenen Gottes auf die Mitteilung des Pfarrers nach dem Sonntagsgottesdienst.
Und vor rund 50 Jahren hat der Dichter Wilhelm Willms und der Komponist Ludger Edelkötter in ihrem Franziskus Musical die Wo-Frage nach Gott schon auf ihre Weise beantwortet. In einem Lied schreiben sie: Wo ist denn Gott? Siehst du ihn nicht, ja siehst du ihn nicht auf deines Nachbarn Angesicht.
Ich wünsche uns allen, dass wir Gott überall finden und so eine gesegnete Zeit haben.
Bernhard Hopf,
Pastoralreferent im Pastoralen Raum Bad Brückenau

