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Wort zum Sonntag, 01.11.2026

Manfred Müller, Diakon im Pastoralen Raum Hammelburg

Reformationstag ist jeden Tag!

Am Samstag 31.10. ist Reformationstag. Für evangelische Christinnen und Christen einer der wichtigsten Festtage im Jahr. Und nicht ohne Grund in vielen Bundesländern ein "echter" arbeitsfreier Feiertag.

Ein Tag, um die Spaltung der Kirche zu feiern? Natürlich nicht. Heute stehen vielmehr ganz bewusst der Mut und die Bedeutung Luthers für die Entwicklung der Kirche im Mittelpunkt. Und seine deutliche Rückbesinnung auf das, was den christlichen Glauben ausmacht.

Aus heutiger Sicht ist die Trennung der beiden großen Kirchen für viele Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Man findet viel mehr, was die Kirchen verbindet als trennt. Und doch sind die Unterscheide scheinbar noch so mächtig, dass sie eine komplette Einheit der beiden Kirchen bis heute verhindern.

Reformation damals – das war aus Martin Luthers Sicht das Gebot der Stunde. Und sicherlich gab es vieles, was in der damaligen Kirche reformbedürftig war, sich unglaublich fehlentwickelt hatte. Luther wollte innerhalb seiner katholischen Kirche, zu der er gehörte, Veränderungen anstoßen, ohne einen Bruch oder eine Spaltung herbeizuführen. Es kam bekanntlich anders.

Ob es Luther heute leichter hätte, mit seinen Kritikpunkten anzukommen? Ja und nein. Sicher hätte er durch die mediale Aufmerksamkeit viel Zuspruch. Und gleichzeitig wäre es wohl auch heute ein Kampf mit den Führungsebenen der Kirchen (da sind beide Kirchen ähnlich), die in jeder Veränderung oft zunächst einmal etwas Bedrohliches sehen. Dabei steht für mich fest: Reformationstag ist jeden Tag – für beide Kirchen! Kirche lebt daraus, dass sie immer und immer wieder darauf schaut, was ihr Auftrag und ihre Aufgabe ist. Am besten an jedem Tag aufs Neue. Und am besten mit dem Blick auf den, dessen Namen die Christinnen und Christen tragen.

Auf den Spuren von Jesus Christus gehen, das heißt: Freude und Trauer teilen; jede und jeden annehmen, wie sie sind; einander stützen und unterstützen. Und das alles aus dem Vertrauen heraus, dass Gott jeden Menschen liebt. Ohne Vorbedingung. Ohne Leistung. Einfach so. Ich bin überzeugt, so eine evangelische und katholische Kirche tut allen Menschen gut.

Manfred Müller

Diakon im Pastoralen Raum Hammelburg

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